... trotzdem Ja zum Leben sagen
Buchclub: „... trotzdem Ja zum Leben sagen“ – Viktor E. Frankl
Maksat Turatbek

Maksat Turatbek

28.03.2021

Viktor E. Frankls Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ ein Meisterwerk, welches nach der Veröffentlichung im Jahre 1946 - also kurz nach dem 2. Weltkrieg - Millionen von Menschen auf der ganzen Welt inspiriert, bewegt und - meines Erachtens nach das allerwichtigste - zum Nachdenken angeregt, zu was der Mensch fähig ist.

Die Nummer 119 104 – was steckt hinter dieser Nummer? Hinter dieser Nummer verbirgt sich eine inspirierende Persönlichkeit, hinter dieser Nummer verbirgt sich eine traurige Geschichte, hinter dieser Nummer verbirgt sich Viktor E. Frankl – der Autor des Buches „… trotzdem Ja zu Leben sagen“.

Was ist der Inhalt dieses Klassikers?

In diesem Buch beschreibt Viktor Frankl – seine subjektive Erlebnisschilderung, über das Leben eines gefangenen Psychologen, welches sich in Konzentrationslagern abgespielt haben, und zwar in Theresienstadt, Türkheim und zu guter Letzt das befürchtete KZ Auschwitz.

Um ein strukturiertes Bild von den Erlebnissen eines KZ-Häftlings zu bekommen, hat Viktor Frankl das Buch in drei verschiedenen Phasen aufgegliedert.

  • Die erste Phase: Die Aufnahme ins Lager
  • Die zweite Phase: Das Lagerleben
  • Die dritte Phase: Die Entlassung

In der ersten Phase wird über das Schicksal von 1500 Personen, welche nach der mehrtätigen Zugfahrt in der Konzentrationslager Auschwitz ankommen, kurzerhand entschieden.

In Auschwitz angekommen, werden die Häftlinge von einem SS-Mann selektiert, wie der Name „Selektion“ schon ahnen lässt, werden die Ankömmlinge in 2 Reihen aufgeteilt.

Hier war eines überlebenswichtig den Eindruck zu hinterlassen, dass man arbeitsfähig ist, konnte der Eindruck nicht erweckt werden, bedeutete dies den Weg in die Gaskammer, welches der sichere Tod bedeutete, beschreiten zu müssen.

Die zweite Phase legt das alltägliche Leben der Lagerinsassen dar, worüber sich die Häftlinge unterhielten, wovon die Lagerinsassen träumten, unter welchen Bedingungen sie lebten bzw. überleben mussten!

Des Weiteren wird in der zweiten Phase die Standhaftigkeit der Lagerinsassen beschrieben, woher sie den Mut Tag für Tag schöpfen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit auf ein Überleben sehr gering einzuschätzen war, hatten sie ihre Hoffnungen auf ein baldiges Ende dieses schrecklichen Alptraums nicht aufgegeben.

Weiteres wird erläutert, wozu der menschliche Geist im Stande ist, wie flexibel und unbeugsam ein Mensch sein kann, welch eine überlebenswichtige Rolle die innere Einstellung spielt - apropos innere Einstellung - im Buch wird beschrieben, dass der Mensch innerlich stärker sein kann als sein äußerliches Schicksal, und das nicht nur im Konzentrationslager.

Und falls das Schicksal der bevorstehende Tod für die Gefangenen bedeutete, so bekommt man den Eindruck, dass die Häftlinge trotz alledem einen Sinn darin gesehen haben, und zwar wenn das Leben einen Sinn hat, dann muss auch das Leiden und das Sterben zum menschlichen Dasein als Ganzes betrachtet werden.

Dazu ein Zitat von Nietzsche, der am treffendsten die Situation in Worten ausdrückt:

„Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie“

Menschlichkeit und Zusammenhalt

Ich möchte gerne diese zwei Beispiele hervorheben.

Ungeachtet dessen, wo jeder versucht hat, bestmöglich zu überleben, wo die Lagerinsassen unterernährt waren, unter unvorstellbaren Bedingungen leben mussten, Schwerstarbeit leisteten – war der Zusammenhalt für die Lagerinsassen kein Tabu.

Als eines Tages ein halbverhungerter Häftling in den Kartoffelbunker eingedrungen war, um ein paar Kilogramm Kartoffeln zu stehlen, welches von der Lagerführung entdeckt wurde, wurden die 2500 Häftlinge aufgefordert, den „Dieb“ auszuliefern – was die sofortige Erhängung als Strafe für den Dieb bedeutete.

2500 Kameraden wussten um wen es sich dabei gehandelt habe, widrigenfalls musste das ganze Lager einen Fasttag hinnehmen, was am Ende für die 2500 verhungernden Häftlingen auch geschah.

Ein anderes Beispiel handelt es sich um die Erzählung von einen SS-Mann, der für die Lagerführung verantwortlich war. Dieser SS-Mann habe jahrelang aus der eigenen Tasche, in einer nahegelegenen Apotheke Medikamente für seine Lagerinsassen insgeheim besorgt.

Nach der Befreiung von den amerikanischen Truppen, versteckten die jüdischen Häftlinge den SS-Mann und erklärten deren Kommandanten gegenüber, sie würden ihm den SS-Mann einzig und allein unter der Bedingung ausliefern, dass ihm kein Haar gekrümmt wird!

Hingegen gabs auch solche Fälle, wo der Lagerälteste selbst ein Häftling, war schlimmer war als alle SS-Wachen des Lagers zusammen.

Er schlug die Häftlinge, wann und wo und wie er nur konnte, während beispielsweise ein SS-Mann kein einziges Mal die Hand gegenüber den Häftlingen erhoben hatte.

Aus all dem können wir lernen: „es gibt auf Erden zwei Menschenrassen, aber auch nur diese beiden: die Rasse der anständigen Menschen und die der unanständigen Menschen.“

Und beide Rassen sind allgemein verbreitet: in allen Gruppen dringen sie ein und sickern sie durch; keine Gruppe besteht ausschließlich aus anständigen und ausschließlich aus unanständigen Menschen, in diesem Sinne ist also keine Gruppe „rassenrein“ – nun, und so gab es den einen oder andern anständigen Kerl eben auch unter der Wachmannschaft!

„Wir haben den Menschen kennengelernt wie vielleicht bisher noch keine Generation. Was also ist der Mensch? Er ist das Wesen, das immer entscheidet, was es ist. Er ist das Wesen, das die Gaskammern erfunden hat, aber zugleich ist er auch das Wesen, das in die Gaskammern aufrecht gegangen ist, und das mit einem Gebet auf den Lippen.“

Die dritte Phase behandelt das Leben nach der Befreiung, wie nach jahrelanger höchster Spannung eines Morgens die weiße Fahne am Lagertor wehte.

Nach all den Erlebnissen können die Häftlinge nicht vorstellen, dass dieser Alptraum zu Ende gegangen ist, es fühlt sich irreal, unvorstellbar, dass das ganze Leiden endlich ein Ende hat.

Jetzt müssen sie sich wieder in das Leben in der Freiheit integrieren.